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Bericht von der Waldbegehung am 9.12.2011

 

Dieses Mal fand die jährliche Waldbegehung des Bürgermeisters mit dem zuständigen Revierförster Vogelgesang sehr spät im Jahr erst am Freitag vor dem dritten Advent statt. Angesichts der naßkalten Witterung waren dieses Jahr, ganz im Gegensatz zu den Vorjahren, kaum eine Handvoll Berger der traditionellen Einladung an alle Bürger gefolgt. Für all diejenigen, die sich diesmal nicht überwinden konnten, der Witterung zu trotzen hier ein kurzer Bericht:

Wie immer begann die Waldbegehung am Clubhaus am Berger Sportplatz. Schon dort konnte man eine der aktuellen Sorgen im Revier in Augenschein nehmen: der Hang neben dem Radweg hinunter zum Bruchgraben. Hier stirbt der Altbestand gerade heraus bzw. ist schon herausgestorben. Die dort neu herauskommenden jungen
Bäumchen, die auch von Brombeeren massiv bedrängt werden, sind alle Stockausschläge von Robinien, so dass hier nicht vom Nachwachsen eines natürlichen Baumbestandes auszugehen ist. Ausserdem ist der Hang in den letzten Jahren und Jahrzehnten immer wieder zum Anschieben und Abkippen von Erde und Gras benutzt worden, so dass er immer steiler wurde. Falls diese Praxis nicht gestoppt wird, droht er zu steil zu werden für einen haltbaren Bewuchs. Daher schlägt der Förster vor, hier in zweierlei Weise aktiv zu werden: einerseits durch einen Zaun oder eine Hecke, die durch Sperren des Zugangs ein weiteres Anschütten verhindert, andererseits durch gezieltes Anpflanzen von dort erwünschten, aber derzeit nicht vorhandenem gemischtem Baumbestand. Gute Erfahrungen hat man im Revier bereits an anderen steilen Stellen mit solcher Bepflanzung gemacht. Wegen der besonderen Schwierigkeiten hier müssten die jungen Bäume allerdings gezielt dagegen geschützt werden, dass die Brombeeren sie überwuchern.

Ganz allgemein muss sich die Gemeinde aktuell auch mit einem Thema auseinandersetzen, das von aussen (durch die Zertigizierung) herangetragen wurde: Sie muss ein Totholzkonzept erstellen und damit gewährleisten, dass auch für die Vielfalt an Tieren und Pflanzen gesorgt wird. Standardmäßig gefordert sind ca 10-15 alte große Bäume, die pro Hektar stehenbleiben und sich selbst überlassen dann irgendwann absterben dürfen, ohne vorher geschlagen zu werden.
Sobald diese Bäume jedoch gewisse Alterserscheinungen zeigen, gehen von ihnen auch Gefahren gerade für die Waldarbeiter aus, so dass das direkte Umfeld solcher Bäume (bis zu einem Umkreis, der der Höhe des Baumes entspricht) ebenfalls nicht normal bewirtschaftet werden kann. Eine Abhilfe kann hier ein Konzept schaffen, das auch vom Land propagiert wird: statt einzeln stehender Biotopbäume sollten ganze Biotopinseln stehen bleiben und deren Gesamtbestand dann gezählt und gemeldet werden. Ein Beispiel geeigneter Bäume sind die beiden alten Eichen im Hang neben dem Sportplatz, die aufgrund von Kriegssplittern nicht für eine Verwertung geeignet sind und andererseits von Standort und Kronenform her beim einem Umfallen auch niemanden gefährden würden, da sie den Hang hinab fallen würden.

Die nächste ausführliche Besichtigung war dann der alte, aber noch nicht hiebreife Eschenbestand direkt an der Grenze zum Staatsforst. Durch eine Krankheit muss man allgemein mit einem Ausfall von bis zu 90% von Eschenbeständen rechnen, sobald/sofern diese unseren Gemeindewald erreicht. Während man sonst in solchen Fällen auf ein Nachwachsen aus dem Unterwuchs hoffen kann, ergibt sich hier ein doppeltes Problem: einerseits ist in diesem Bereich die Traubenkirsche im Unterholz vertreten und läßt nichts anderes hochkommen, andererseits wären auch die nachwachsenden Jungbäume hauptsächlich Eschen, die ja wieder für die Krankheit sehr anfällig wären und vermutlich vor der Hiebreife absterben würden. Deshalb soll in diesem Bereich Bäumen anderer Arten verstärkt geholfen werden und bei Ausfall von größeren Zahlen an Eschen durch Krankheit dann mit einer Mischkultur aufgeforstet werden. Dabei soll bei Eschen mit stärkeren Krankheitszeichen nun im Zweifelsfall eher früher als später geschlagen werden, damit man noch Chancen auf verwertbares Holz hat. Neuanpflanzungen sind jedoch erst sinnvoll, wenn eine Lücke etwa den Bereich zwischen zwei Rückegassen als Breite erreicht hat, da sonst die neu gepflanzten Bäume durch den Altbestand außenherum zu sehr beschattet wären.

Eine letzte Station machte die Waldbegehung dann bei einbrechender Dunkelheit jenseits des Panzergrabens, wo einerseits eine kleine Zwischenpflanzung mit einer Kreuzung aus Schwarznuss und Walnuss besichtigt werden konnte, die relativ schnellwüchsig ist, aber auch sehr dem Licht nachgeht. Andererseits befand sich in der Nähe dieser Stelle jahrelang eine Versuchspflanzung der Universität Göttingen, wo im Rahmen einer Doktorarbeit untersucht wurde, ob eine Eichenanpflanzung oder auch das Austreiben-Lassen aus Eicheln unter den gegebenen Bedingungen zu einer natürlichen Eichenpopulation fürhen kann. Die Studie ist inzwischen seit einiger Zeit abgeschlossen und hat ergeben, dass die aus Eicheln entstanden Jungpflanzen zwar besser austrieben als die gesetzten, dass aber keine der Pflanzungen ohne Hilfe durch Freischneiden und ähnliche Arbeiten eine Chance hatte, einen Baumbestand zu entwickeln.

Vielen Dank an Herrn Vogelgesang für die detailierten und informativen Ausführungen, bis zur Waldbegehung im nächsten Jahr mit hoffentlich besserem Wetter.

 

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